• Eine Übersicht übers Absaufen, wie man es vermeiden kann und was im Ernstfall zu tun ist, um wieder starten zu können.

    1 Was ist "Absaufen"?


    Unter Absaufen versteht man, wenn zu viel Benzin in die Brennkammer geraten ist, um einen normalen Motorstart zu ermöglichen. Dies geschieht klassischerweise, wenn der Fahrer versucht, den Motor zu starten, der Motor jedoch nicht sofort started. Das Steuergerät pumpt Kraftstoff während der Motor anläuft und wenn der Motor nicht schnell genug startet, überzieht der Kraftstoff die Zündkerzen, wäscht das Öl vom Rotorgehäuse und verhindert so, dass die Zündung wie gewollt stattfindet.
    Während dieses Problem beim klassischen Hubkolbenmotor mit dem Übergang von der Vergasertechnik zur steuergerät-gesteuerten Einspritztechnik weitgehend eliminiert wurde (das Steuergerät senkt bei Bedarf die zugeführte Kraftstoffmenge), ist der Wankelmotor durch seine großen Wandflächen prinzipbedingt anfälliger dafür.


    2 Ursachen


    Für einen sicheren Kaltstart benötigt der Ottomotor ein „fettes Gemisch“. Das bedeutet, dass das Kraftstoff-Luft-Gemisch einen Kraftstoffüberschuss hat (die älteren Semester kennen dies noch vom sogenannten Choke bei Vergasermaschinen). Striktere Abgasvorschriften erzwingen Maßnahmen, um die Mengen an Kohlenmonoxid und unverbrannten Kohlenwasserstoffen zu reduzieren, auch wenn der Katalysator seine Betriebstemperatur noch nicht erreicht und die Lambdaregelung noch nicht eingesetzt hat. Um das Entweichen dieser schädlichen Abgasbestandteile ohne Nachbehandlung in die Umwelt zu vermeiden und die Schadstoffe während der Kaltstartphase zu reduzieren, wird mit Hilfe der Sekundärluftpumpe sauerstoffreiche Umgebungsluft ("Sekundärluft") direkt in den Abgaskrümmer geblasen. Dadurch kommt es zu einer Nachverbrennung der Schadstoffe zu unschädlichem Kohlendioxid und Wasser. Die dabei entstehende Wärme heizt zusätzlich den Katalysator auf und verkürzt die Zeit bis zum Einsetzen der Lambdaregelung.


    Die erhöhte Benzineinspritzung des Renesis beim und kurz nach dem Kaltstart wirkt sich wie eingangs beschrieben nachteilig auf den Ölfilm an den Wandflächen aus. Neben einer gewissen Mindestdrehzahl des Anlassers zum Aufbau genügend großer Fliehkräfte für die Dichtleisten ist ein entsprechender Ölfilm zur Abdichtung der einzelnen Brennkammern von wesentlicher Bedeutung.


    Absaufen ist verstärkt ein Problem:

    • Wenn die Batterie schwach ist, kann der Anlasser den Motor nicht schnell genug drehen, so dass der Motor keine ausreichende Kompression aufbaut und sich das Kraftstoff-Luft-Gemisch nicht wie gewollt entzündet.
    • Wenn der Anlasser schwach ist, kann der Anlasser den Motor nicht schnell genug drehen, so dass der Motor keine ausreichende Kompression aufbaut und sich das Kraftstoff-Luft-Gemisch nicht wie gewollt entzündet.
    • Wenn die Motorkompression niedrig ist, entzündet sich das Kraftstoff-Luft-Gemisch auch nicht wie gewollt.
    • Wenn die Zündspulen erschöpft oder Stecker korrodiert sind, ist es egal, welche Kompression oder Starterdrehzahl der Motor erreicht. Ein schwacher Zündfunken erschwert es ungemein, das Kraftstoff-Luft-Gemisch zu entzünden.


    3 Umgang

    3.1 Vermeidung


    Es ist laut Mazda ausdrücklich zu vermeiden, den Motor im kalten Zustand wieder abzustellen. Er sollte sich aufwärmen können, im Idealfall bis die Temperaturnadel in etwa mittig steht.[1] Das klassische "nur mal kurz umparken" verbietet sich somit weitestgehend. Bei Betriebstemperatur ist Abstellen und Wiederanlassen hingegen kein Problem.


    Generell ist ein gut gewarteter Wagen deutlich unanfälliger fürs Absaufen. Wenn man wie oben erwähnt eine schwache Zündanlage hat, die Kompression ungenügend ist, die Batterie schwach ist und/oder der Anlasser nachlässt, steigt faktisch die Mindestlaufzeit des kalten Motors, bis man ihn sicher abstellen kann, ohne Gefahr zu laufen, dass er den nächsten Start verweigert. Ein kerngesundes Fahrzeug wird nach einer Laufzeit von nur ca. 2 min ein Abstellen verzeihen (außer dass der Verschleiß in solchen Zeiten natürlich wie bei jedem ölgeschmierten Verbrennungsmotor in PKW exorbitant hoch ist).


    3.2 Wiederherstellung

    3.2.1 Was tun, wenns doch passiert ist?


    Nun ist es durch Unaufmerksamkeit oder in einer Werkstatt/beim Lackierer doch dazu gekommen, dass der Wagen kalt abgestellt wurde und nicht mehr startet. Was tun?
    Wiederholte Anlass-Versuche mit einer Dauer von nur 1 bis 2 Sekunden können zu übermäßiger Überschwemmung mit Treibstoff führen und eine weitere Verschärfung des Zustandes verursachen. Mazda empfiehlt, den Anlasser für eine maximale Dauer von 8 Sekunden zu betätigen. Sollte der Motor bis dahin nicht angesprungen sein, dann mindestens 3 Sekunden ruhen, um den Anlasser abkühlen zu lassen, anschließend erneut versuchen.[1]


    Falls sich mit dieser Prozedur kein Erfolg einstellt, ist auch nicht mehr mit akuter Besserung zu rechnen. Hierfür (oder auch als Erstmaßnahme) gibt es ein erweitertes "De-Choking"-Verfahren von Mazda[1]:

    • Wenn möglich, Sekundärluftpumpe abstecken (B1-04, s. Bild unten).
    • Gaspedal maximal betätigen und auf dem Boden halten. (Damit wird die Kraftstoffzufuhr während des Anlassens unterbrochen)
    • Anlasser für 7 bis 8 Sekunden (nicht länger als 10 Sekunden!) betätigen. (Dies schiebt nicht verbrannten Kraftstoff aus der Brennkammer)
    • Zündschlüssel loslassen, um das Anlassen zu stoppen, und 3 Sekunden warten. (Zähle ruhig und langsam: einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig)
    • Schritte 1-3 ein paar Mal wiederholen wenn Batterie/Ladezustand es erlaubt oder externe Batterieversorgung (z.B. Überbrückungskabel) vorhanden ist. (Erfahrungswert, weil einmalige Durchführung manchmal nicht ausreicht)
    • Gaspedal loslassen und Motor starten. Wenn der Motor startet, während Schritt 1 ausgeführt wird, sofort den Zündschlüssel loslassen, um den Anlasser zu stoppen und Fuß vom Gaspedal nehmen bzw. nur moderat Gas geben, um schlagartiges Hochdrehen zu vermeiden.

    Ein Motor in passablem Zustand mit intakter Starter- und Zündanlage lässt sich so in aller Regel wieder starten.
    Wenn der Motor nach mehrmaliger Durchführung (<10) immer noch nicht startet, wird empfohlen, das Fahrzeug vom Mazda-Händler prüfen zu lassen.


    3.2.2 Erweiterte Maßnahmen


    Sollte alles scheitern, kann man es noch mit Anschleppen versuchen. Aber Achtung: Es besteht Gefährung des KAT durch unverbrannten Kraftstoff! Wer diesen Weg gehen möchte, dem sei dringend empfohlen, währenddessen wenigstens den Stecker der Sekundärluftpumpe abzuziehen (im Bild B1-04).


    Alternativ kann auch noch versucht werden, den unverbrannten Kraftstoff durch de Zündkerzenlöcher heraus zu bekommen[1]:
    Achtung: Während dieser Schritte keine Funken oder andere Zündquellen zu erzeugen! Für gute Belüftung sorgen!

    • Sekundärluftpumpe abstecken. (Schutz des KAT wegen unverbranntem Kraftstoff)
    • Alle 4 Zündkerzen vom Motor entfernen. (siehe Werkstatthandbuch, Abschnitt Zündkerzen ausbauen/einbauen)
    • Exzenterwellenpositionssensor (ESPS, im Bild B1-27) abstecken. (Dadurch wird die Kraftstoffeinspritzung und der Zündfunke gesperrt)
    • Tuch in die Nähe der Zündkerzenlöcher legen, um Kraftstoffreste aufzusaugen.
    • Den Anlasser starten, bis der gesamte Kraftstoff aus den Zündkerzenlöchern gespült ist. (Den Motor wiederum nicht länger als 10 Sekunden ankurbeln. Wenn mehr als 10 Sekunden benötigt werden, zwischen dem Anlassen immer 5 Sekunden warten)
    • ESPS-Stecker (B1-27) wieder anstecken.
    • Gereinigte/neue Zündkerzen einsetzen.
    • Motor versuchen zu starten, ohne das Gaspedal niederzudrücken.
    • Wenn der Motor startet, mit 1500 bis 2000 U/min laufen lassen, bis sich die Motordrehzahl stabilisiert und der Rauch vollständig aufgelöst hat oder der Motor die Betriebstemperatur erreicht hat. HINWEIS: Motor im Folgenden nicht mit hoher Drehzahl betreiben, da dies den Katalysator beschädigen kann!
    • Motor abstellen.
    • Stecker B1-04 der Sekundärlufteinblaspumpe wieder anschließen.
    • Optional: Wer OBD-Zugriff hat, kann nun alle DTCs (Fehlercodes) löschen.


    3.2.3 Notmaßnahme für Motoren mit schlechter Kompression


    Falls in der vorhergehenden Beschreibung bei Schritt 8 kein Erfolg zu verzeichnen ist und spezielleres Equipment wie im folgenden benötigt zur Verfügung steht:

    • Sekundärluftpumpe abstecken. (Schutz des KAT wegen unverbranntem Kraftstoff)
    • Den vorderen Unterdruckstopfen von der Beifahrerseite des unteren Einlasskrümmers entfernen. (Ab Modelljahr 2006 sind für das PCV-System an den Anschlüssen Vakuumschläuche angebracht. Schlauch von den unteren Ansaugkrümmeröffnungen trennen)
    • Vakuumleitung herstellen (etwa einen halben Meter lang) und an der vorderen Vakuumöffnung befestigen wie in der Abbildung gezeigt.
      VORSICHT: NICHT versuchen, beide Vakuumöffnungen gleichzeitig zu versorgen. Vorgang für vorderen und hinteren Anschluss nacheinander durchführen.
    • 10-15 ml Motoröl in einen kleinen Behälter füllen und Vakuumschlauch bis zum Grund eintauchen.
    • Anlasser betätigen bis sämtliches Öl in den Motor eingesogen wurde (währenddessen Gaspedal nicht betätigen).
      Wenn Öl wegen zu geringem Vakuum nicht angesaugt wird, Öl mittels Spritze einleiten oder - falls es gar nicht anders geht - durchs Leading-Zündkerzen-Loch.
    • Leading Zündkerze ggf. wieder einschrauben.
      - bei Bj. 2004-2005: Vakuumschlauch vom Ansaugkrümmer entfernen und Unterdruckstopfen wieder einsetzen.
      - ab Bj. 2006: Vakuumschlauch vom Ansaugkrümmer entfernen und PCV Vakuumleitung wieder anschließen.
    • Schritte 2-6 für hinteren Vakuumanschluss wiederholen.
    • Stecker vom Exzenterwellenpositionssensor (B1-27) wieder anstecken.
    • Motor versuchen zu starten ohne Gaspedal zu treten. Wenn der Motor startet, wie in Schritt 9 der vorherigen Anleitung fortfahren.





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    [1] https://www.denlorstools.com/s…azda_RX8_Flooding_TSB.pdf / Mirror: https://web.archive.org/web/20…/docs/01-011-04-1273d.pdf

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